Zwei Faktoren führen Hollywood aus seiner tiefe Strukturkrise. Zum einen sind es die Impulse des europäischen Kinos der 60er- und 70er-Jahre, aus denen in dieser Zeit die Gegenbewegung des sogenannten New-Hollywood Anregungen bezieht. Zum anderen ist es die Entwicklung des Blockbuster-Konzeptes, das in der kom-merziellen Kinolandschaft buchstäblich keinen Stein auf dem anderen läßt und das Main-Stream-Kino bis heute dominiert. Die spektakulären Schauwerte gewinnen mit Beginn der 80ern eine neue Eigenwertigkeit über die Narration - fast so, als würde sich das Kino an seinen Geburtsort, den Jahrmarkt, zurückerinnern.
Viele gesellschaftliche Ambitionen der 60er und 70er münden in den 80ern in eine große Ernüchertung, und nicht wenige Kinogesten der darauf reagierenden soge-nannten Postmoderne laufen aus heutiger Sicht ins Leere. Aber auch das Ende des Kalten Krieges bringt dabei in den 90ern nicht die erhoffte Befreiung und Erlösung.
In seinen ernsthaftesten Momenten, in denen sich der Film einer Wirklichkeit und ei-ner Ästhetik verpflichtet fühlt, und in seinen ausbeutendsten Momenten, in denen er vor allem gewinnbringendes Spektakel sein will - paradoxerweise gelingt ihm eines immer: ein unausweichliches Spiegelbild seiner Zeit zu sein oder sogar antizipato-risch die noch nicht ausgedrückten akuten Grundkonflikte zu formulieren. Genau das macht bis heute die Magie des Kinos aus.
Unsere Auswahl will die Fragen und Lebensgefühle dieser zwei Dekaden und die zunehmend vielfältigen Strategien des Kinos, davon visuell zu erzählen, nachvollziehbar machen.


Katalog gebunden 118 Seiten